Trinkgeld weltweit: Wie viel Trinkgeld gibt man in welchem Land? (Übersicht 2026)

Ich habe in einem Restaurant in Japan einmal Trinkgeld gegeben – und wurde damit fast bis auf die Straße verfolgt. Die Bedienung lief mir mit dem Geld in der Hand nach, sichtlich irritiert, und wollte es mir unbedingt zurückgeben. Für mich war es eine kleine Geste. Für sie war es ein Problem, für das es keinen Ablauf gibt. Trinkgeld ist eines der Themen, bei denen man auf Reisen am schnellsten daneben liegt – nicht weil man geizig oder großzügig ist, sondern weil in jedem Land andere Regeln gelten und kaum jemand sie vorher nachliest.
Genau deshalb gibt es diese Übersicht: wie viel Trinkgeld in welchem Land üblich ist, wo es sogar unpassend wirkt, und wo man ohne es richtig unangenehm auffällt.
Warum Trinkgeld im Ausland so verwirrend ist
Das Japan-Beispiel ist der offensichtliche Fall. Schwieriger sind die Länder, in denen schon etwas auf der Rechnung steht, aber unklar bleibt, ob das das Trinkgeld ist oder nicht. In Italien ist mir das selbst passiert: Auf dem Bon standen zwei zusätzliche Posten, die ich zunächst für eine Art Bedienungsgeld gehalten habe. Tatsächlich war das coperto – eine Gedeckgebühr für Tisch und Brot – und teilweise noch servizio, ein Aufschlag für den Service. Keines von beiden ist automatisch Trinkgeld, aber wenn servizio draufsteht, ist das Trinkgeld in der Praxis erledigt. Ohne diesen Unterschied zu kennen, gibt man am Ende doppelt.
In den USA ist die Verwirrung eine andere: Dort ist Trinkgeld so hoch und so systematisch, dass man den Betrag oft direkt auf den Zahlungsbeleg schreibt, bevor man ihn unterschreibt – statt einfach Bargeld dazuzulegen wie in Europa. 18–20 % sind dort die Regel, nicht die Ausnahme, weil der gesetzliche Mindestlohn für Servicekräfte in vielen Bundesstaaten weit unter dem normalen liegt. Wer das nicht weiß und europäische Maßstäbe anlegt, gibt spürbar zu wenig.
Mein Tipp: Bevor ich irgendwo aufrunde oder bar dazulege, schaue ich inzwischen einmal kurz auf die Rechnung. Steht dort schon ein Service-Posten, ist meist nichts weiter nötig – und genau das übersieht man am leichtesten.
Trinkgeld in den meistgesuchten Reisezielen
Diese Länder tauchen bei uns in den Suchanfragen am häufigsten auf, ergänzt um ein paar klassische Fernreiseziele. Jede Kurzfassung verlinkt auf den ausführlichen Länder-Guide mit Rechner.
Ungarn
Ungarische Restaurants schlagen besonders im Zentrum von Budapest oft schon 10–12,5 % Servicegebühr auf die Rechnung auf. Steht sie schon drauf, ist nichts weiter nötig – wer das übersieht, gibt am Ende doppelt Trinkgeld. Ohne Zuschlag sind 10 % üblich.
→ Trinkgeld in Ungarn im Detail
Irland
Irland folgt dem britischen Muster: 10–15 % bei Bedienung am Tisch, aber nichts an der Theke im Pub. Wer sich für ein Pint bedanken möchte, gibt traditionell eine Runde aus statt Bargeld liegen zu lassen.
→ Trinkgeld in Irland im Detail
Italien
Wie oben beschrieben, ist Trinkgeld in Italien minimal – ein bis zwei Euro pro Person nach einem guten Essen, oder gar nichts, wenn servizio schon auf der Rechnung steht. Coperto ist keine Servicegebühr, sondern eine feste Gedeckgebühr für Tisch und Brot.
→ Trinkgeld in Italien im Detail
Bulgarien
An der Schwarzmeerküste sind in der Hochsaison rund 10 % bei Bedienung üblich, außerhalb der Saison reicht Aufrunden. Bargeld ist hier klar die bessere Wahl als die Karte.
→ Trinkgeld in Bulgarien im Detail
Tschechien
In Prag lohnt sich vor dem Aufrunden ein Blick auf die Rechnung: Rund um den Altstädter Ring tauchen aufgeschlagene Servicegebühren auf, die man sonst doppelt zahlen würde. Ohne Zuschlag sind 10 % oder ein Aufrunden auf einen runden Betrag normal.
→ Trinkgeld in Tschechien im Detail
Dänemark
Der Service ist per Gesetz im Preis enthalten, Trinkgeld bleibt also freiwillig. Nur in Kopenhagens gehobener Gastronomie wird inzwischen zunehmend erwartet, dass man nach einem besonders guten Essen bis zu 10 % dazugibt.
→ Trinkgeld in Dänemark im Detail
Niederlande
Hier wird schlicht aufgerundet, meist direkt am Kartenterminal, indem man den gewünschten Gesamtbetrag eintippt. Nach einem vollen Abendessen mit Bedienung sind 5–10 % angemessen.
→ Trinkgeld in den Niederlanden im Detail
USA
Wie oben beschrieben, ist Trinkgeld in den USA kein Bonus, sondern Teil des Lohns: 18–20 % vom Betrag vor Steuer bei Bedienung am Tisch, 15 % gilt schon als Zeichen, dass etwas nicht gepasst hat. Auch an Selbstbedienungs-Theken schlägt das Kartenterminal inzwischen Prozentsätze vor, die man dort getrost überspringen darf.
→ Trinkgeld in den USA im Detail
Thailand
Trinkgeld war nie Teil der thailändischen Kultur und ist es an der Garküche bis heute nicht. In Touristenrestaurants sind aber 5–10 % normal geworden, im Spa 50–100 Baht.
→ Trinkgeld in Thailand im Detail
Ägypten
Bakschisch ist in Ägypten allgegenwärtig und plant sich am besten pro Tag statt pro Mahlzeit ein: 10 % im Restaurant, dazu über den Tag verteilt kleine Scheine für Koffer, Türen und Fototipps. Ein dicker Stapel kleiner Scheine, getrennt von den großen, macht den Alltag deutlich entspannter.
→ Trinkgeld in Ägypten im Detail
Türkei
Trinkgeld – bahşiş – läuft in der Türkei bar und bescheiden: 5–10 % im Restaurant mit Bedienung, nichts am Teestand oder im Dolmuş.
→ Trinkgeld in der Türkei im Detail
Dominikanische Republik
Hier schreibt das Gesetz 10 % Service und 18 % Steuer direkt auf die Rechnung. Auch im All-Inclusive-Resort, wo Trinkgeld offiziell abgedeckt ist, machen ein paar Dollar für Bar und Housekeeping noch einen echten Unterschied. Eine eigene Länderseite gibt es dafür bei uns noch nicht – der Trinkgeldrechner deckt das Land aber bereits ab.
→ Zum Trinkgeldrechner
Trinkgeld in allen anderen Ländern auf einen Blick
Für alles, was nicht oben steht, hier die Kurzfassung als Tabelle. Jeder Link führt zum vollständigen Guide mit Restaurant-, Taxi- und Hotelregeln.
| Land | Faustregel |
|---|---|
| Spanien | Aufrunden oder 5–10 %, Service steckt im Preis |
| Österreich | 5–10 % oder aufrunden, Betrag beim Zahlen ansagen |
| Griechenland | 5–10 % in der Taverne, bar zahlen |
| Kroatien | 10 % am Tisch, Bargeld bevorzugt |
| Frankreich | Nur Kleingeld – Service ist gesetzlich inklusive |
| Portugal | 5–10 % oder aufrunden; das Couvert ist kein Trinkgeld |
| Deutschland | Aufrunden oder 5–10 %, Betrag beim Zahlen ansagen |
| Schweiz | Aufrunden reicht, Service ist seit 1974 inklusive |
| Marokko | 10 % im Restaurant, kleine Dirham-Scheine für das Riad-Team |
| Tunesien | Rund 10 % im Restaurant, ein paar Dinar im Hammam |
| Polen | 10 % – Achtung: „dziękuję" beim Zahlen heißt „stimmt so" |
| Schweden | 5–10 % oder aufrunden, das Terminal fragt automatisch |
| Norwegen | Aufrunden oder 5–10 %, ganz ohne ist auch in Ordnung |
| Island | Keine Trinkgeldkultur – alles steckt im Preis |
| Großbritannien | 10–15 %, außer der Service Charge steht schon drauf |
| Japan | Kein Trinkgeld – siehe meine eigene Geschichte oben |
| Vietnam | 5–10 % in Touristenrestaurants, Geld direkt in die Hand geben |
| Indonesien | Auf Bali 5–10 %, auf „++" in der Speisekarte achten |
| Dubai / VAE | 10–15 % bar, weil der Service-Zuschlag oft nicht ankommt |
| Mexiko | 10–15 % im Restaurant, in Pesos zahlen |
| Kanada | 15–18 % am Tisch, das Terminal fragt nach Prozenten |
| Südafrika | 10–15 %, plus ein paar Rand für den Car Guard am Parkplatz |
| Australien | Meist gar nicht nötig – der Mindestlohn deckt es ab |
| Zypern | 5–10 %, falls nicht schon ein Service Charge draufsteht |
| Malta | 5–10 % am Tisch, nichts an der Theke |
Kein Land in der Liste? Der Trinkgeldrechner deckt den Rest ab
Diese Übersicht zeigt bewusst nur die Länder, für die es bei uns einen ausführlichen Guide gibt. Für alle anderen – von Costa Rica bis Malaysia – rechnet unser Trinkgeldrechner automatisch in die passende Landeswährung um, sobald man Land und Rechnungsbetrag eingibt.
Mein Tipp: Ich trage den Rechner inzwischen einfach als Lesezeichen mit, statt mir vor jeder Reise Prozentsätze zu merken. Gerade bei Ländern mit wenig Dezimalstellen wie Ungarn oder Vietnam ist es sonst zu leicht, sich beim Umrechnen zu verrechnen.
Trinkgeld bleibt eines der Themen, bei denen man auf Reisen nie ganz auslernt – selbst nach der Japan-Geschichte laufe ich vor jedem neuen Land noch einmal kurz die Regeln durch. Welches Land hat euch am meisten überrascht? Schreibt es gerne in die Kommentare, oder schaut direkt in einem der Länder-Guides oben nach, bevor die nächste Rechnung kommt.
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